Aufschlag - Aufgabe - Angabe
Die Bezeichnungen für die folgenden Techniken unterscheiden sich im Sprachgebraucht. Egal, ob wir von aufgeben, angeben oder aufschlagen sprechen, gemeint ist die Technik, mit der jeder Spielzug beim Volleyball beginnt. Ein Aufschlag ist trotz der zur Verfügung stehenden Methoden nicht so gefährlich wie ein gut aufgebauter Angriffsschlag. Außerdem ist der Weg des Balles zu lang, um die gegnerische Mannschaft mit kurzen bzw. überhaupt gut platzierten Bällen auszuspielen - kurze Angaben sind zumeist sehr langsam und können leichter erlaufen werden. Dagegen können lange Aufgaben schnell und scharf gespielt werden, sind jedoch ziemlich früh durch die abwehrende Mannschaft zu erkennen und daher leichter zu antizipieren. Daraus ergibt sich in der Regel die Zeit, die optimale Grundposition einzunehmen. Aus diesem Grund ist besonders im Leistungssport die Entwicklung einer angriffähnlichen Grundtechnik für den Aufschlag charakteristisch. Die sogenannte Sprungaufgabe ist durchweg als die erfolgversprechendste Technik für den Spielzugbeginn einzustufen. Jedoch ist sie zudem auch die am schwierigsten auszuführende und verlangt ein Hochmaß an Technikbeherrschung sowie optimale, zeitliche Ablaufgestaltung. Hier möchten wir aber auch Alternativen betrachten und beschreiben. Da sich die Techniken in der Regel grundlegend unterscheiden, gibt es keine Basistechniken, die für alle Aufschlagsvariaten charakteristisch sind. Daher werden die Varianten insgesamt getrennt voneinander betrachtet. Auf folgende Aufgabearten wird im Folgenden eingegangen:
Frontaler Aufschlag (von unten)
Der frontale Aufschlag von unten ist die wohl am einfachsten zu erlernende Technik für eine Aufgabe. Sie wird im Anfängerbereich favorisiert, um den Volleyballern schnell eine Technik zu vermitteln, die weitere Volleyballspielzüge ermöglicht. Da hier im Vergleich zu anderen Aufschlagtechniken relativ wenig Koordinationsanspruch besteht, ist diese Technik schneller zu erlernen. Jedoch ist auch zu sagen, dass die Angabe von Unten geeignet ist, wenn man sehr kurz hinter das Netz in das gegnerische Feld zu spielen beabsichtigt. Auch beim Beachvolleyball finden Varianten dieser Technik Anwendung wie zum Beispiel der Skyball, bei dem erschwerend die Berücksichtigung von Sonnenstellung und insbesondere des Windes den Schwierigkeit bei der Ausführung wesentlich erhöht.
Bei der Ausführung sind nicht viele Dinge zu beachten. Man hält den Ball mit gebeugtem Arm in einer Hand in der Vorhalte (hüfthoch) und holt mit dem anderen Arm Schwung. Dabei steht man in Schrittstellung, Nicht-Schlagseite vorn, frontal zum Netz und beugt den Oberkörper leicht ein. Der Ball muss nun vor dem Schlagen die Hand verlassen. Es ist sowohl zulässig, ihn anzuwerfen, als ihn auch einfach aus der Hand fallen zu lassen. Sobald dies geschehen ist, wird der Ball mit der Schlaghand durch Vorschwingen des Schlagarmes nach vorn oben mit gestreckter Hand, Handfläche nach oben, gespielt. Auch hier findet eine Ganzkörperbewegung statt, was heißt, dass bei der Schlagbewegung auch der Oberkörper und die Beine gestreckt werden. Je nach eigenem Ermessen kann man bei dieser Technik den Ball noch in verschiedene Rotationen versetzen, indem man ihn nicht direkt trifft sondern ihn in beliebiger Richtung mehr oder weniger "streift".
Tennisaufschlag - Angriffsaufschlag
Der Tennisaufschlag ist als grundlegende Angabentechnik im Volleyball zu sehen. Er wird auch als Angriffsaufschlag bezeichnet, da der Bewegungsablauf und das Schlagen des Balles in groben Zügen dem eines Angriffs identisch ist. Sicherlich gibt es auch einige Unterschiede, der wohl am naheliegendste ist einfach der, dass eine Aufgabe hinter der Grundlinie ausgeführt werden muss und aus dem Stand vollzogen wird. Unter dieser Beschreibung betrachten wir den Tennisaufschlag aus dem Stand und können dann ganz leicht parallel den Flatteraufschlag im Anschluss betrachten. Alles was dann mit einem Sprung kombiniert wird, ist noch weiter unten unter Sprungaufschläge zusammengefasst.
Den Aufschlägen mit Vorwärtsdrall ist allen gemein, dass bei ihnen aus einer Bogenspannung und Verwringung heraus sich nacheinander der Oberarm die Schulter, der Unter- den Oberarm und die Hand den Unterarm (Peitscheneffekt) überholen. Durch das zuletzt gemeinte "Überdachen" des Balles durch die Hand bekommt der Ball einen Vorwärtsdrall, welcher durchaus großen Einfluss auf dessen Flugbahn nehmen kann (Interessierte sollten sich über den Magnuseffekt informieren). Die Kontaktdauer zwischen Hand und Ball ist sehr kurz. Die Technik soll nun ein wenig detaillierter anhand einer Animation beschrieben werden:
Man steht wiederum in Schrittstellung, Nicht-Schlag-Seite vorn, frontal zum Netz. Der Ball kann sowohl mit einem als auch mit beiden Händen angeworfen werden. Nach dem Anwurf wird der Körperschwerpunkt gesenkt, der Blickkontakt zum Ball bleibt bestehen. Man beugt nun den Oberkörper weit nach hinten und dreht ihn leicht zur Schlagseite. Daraus resultiert eine Bogenspannung sowie Verwringung des Oberkörpers, die in der nachfolgenden Schlagbewegung wieder aufgelöst wird, woraus sich die Kraft bzw. Geschwindigkeit ergibt, die für den Schlag benötigt wird. Bei der Schlagbewegung ist nun darauf zuachten, dass nacheinander die Schulter, der Oberarm, der Unterarm und zuletzt die Hand nach vorn gebracht werden. Die Bewegung wird sehr weit nach vorn ausgeführt, der Oberkörper wird nach vorn abgeklappt und der Arm schwingt in gleicher Bewegung nach vorn aus. Beim Anwurf ist es zulässig, den Ball in Rotation zu versetzen. Für den Tennisaufschlag ist es günstig, dem Ball durch den Anwurf in Vorwärtsdrehung zu versetzen. Dadurch senkt er sich im gegnerischen Feld eher und schneller wieder ab, was eine Annahme dort erschwert.
Flatteraufschlag
Die Form der Angabe trägt ihren bezeichnenden Namen aufgrund der instabilen Flugphase des Balles infolge von zentralem Treffen des Balles. Die Annahme wird dadurch erschwert, weil der Ball in der Luft hin und her "flattert" und man ihn darum in der Annahme eventuell nicht exakt mit beiden Armen gleichzeitig berühren kann. Das heißt der Ball wird bei dieser Technik nicht in Rotation versetzt. Dadurch können sich während der Flugphase die Auftriebskräfte bemerkbar machen und die Flugbahn des Balles verlängern. Es wird erklärt, dass die Luft aufgrund fehlender Rotation nicht gleichmäßig abströmen kann und sich dadurch Wirbel bilden können. Weiterhin wird vermutet, dass positive bzw. negative Drehmomente des Balles den Flug "flatternd" gestalten. Diese Unterschiede können aus einer eventuellen unregelmäßigen Kugelform des Balles bzw. Lage und Gewicht des Ventils resultieren.
Die Technik des Flatteraufschlages ist bis auf die letzte Phase mit der Technik des Tennisaufschlages identisch (abgesehen davon, dass der Ball beim Anwurf nicht in Rotation versetz werden darf). Der einzige Unterschied besteht allein darin, dass gleich nach der Ballberührung der Schlagarm abgebremst und die Schlaghand nicht eingeklappt wird sondern gestreckt und fixiert ist. Dadurch erhält der Ball keine Rotation und wird in der eben beschriebenen Art und Weise in seiner Flugbahn beeinflusst.
Sprungaufschlag
Eine wirklich effektive, weil scharf gespielte und damit schwer anzunehmende, Aufgabe ist eine aus dem Sprung heraus. Durch die größere Abschlaghöhe, kann man den Ball mit noch höherer Geschwindigkeit spielen, als dies aus dem Stand der Fall ist. Jedoch steht außer Frage, dass es einen wesentlich höheren Aufwand bereitet, diese Technik bis zur Perfektion zu trainieren. Besonders hoch ist eben der Grad an Timing, was stimmen muss, damit der Ball im rechten Augenblick geschlagen wird. Der Ball muss richtig angeworfen werden, der Anlauf muss stimmen, der Absprung dem Ball angepasst sein und die Schlagbewegung muss exakt in dem Augenblick ausgeführt werden, wenn der Ball in Abschlaghöhe angekommen ist und der Arm voll durchgestreckt werden kann. Der Ablauf ist dem eines Angriffes sehr ähnlich und darum soll an dieser Stelle auch darauf verwiesen werden. Der Anlauf wird im 2er-Rythmus gestaltet. Rechtshänder springen mit dem linken Bein ab, dieser Sprung geschieht nach vorn-oben und der Ball wird möglichst am höchsten Punkt der eigenen Flugphase gespielt.